Rückblick: Life MICA Event vom 9. Februar 2021

Am 9. Februar organisierte das Life MICA-Projekt ein Webinar. Dieses Webinar blickte auf die ersten anderthalb Jahre des Projekts zurück. Was haben wir bisher gemacht und was haben wir daraus gelernt?

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Viel Spaß beim Zuschauen!

Auftaktveranstaltung ‚Zukunftsdiskurs – Neozoen‘

Mit der zunehmenden Sensibilisierung der Gesellschaft für die Problematik invasiver Tierarten geraten auch ethische Fragstellungen zum Umgang mit diesen Tieren in den Fokus.

Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung widmet sich diesem Diskurs am Beispiel der Nutria mit einem Projekt zur Öffentlichkeitsarbeit, das vom Ministerium für Wissenschaft und Kultur im Rahmen des Förderprogrammes Zukunftsdiskurse gefördert wird. Mit dem Projekttitel „Zukunftsdiskurse: Neozoen – wie gehen wir mit eingebrachten Tierarten um, und wie wollen wir mit ihnen umgehen?“ wird die Frage zur Ethik bereits gestellt.  Das Projekt versucht, einen Dialog zwischen verschiedenen Interessensgruppen zu ermöglichen und die Einstellung der Gesellschaft zum Umgang mit invasiven Arten zu ergründen.

Am 24. September 2020 fand an der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover unter Einhaltung der geltenden Hygienevorschriften die Auftaktveranstaltung statt. Eingeladen waren neben Vertretern aus Forschung, Jagd, Wasserverbänden, Naturschutz und Politik, auch Lehrer und interessierte Bürger. Außerdem haben Partner aus den deutschen Projektgebieten des Life-MICA-Projekts teilgenommen.

Nach anfänglichen Kurzvorträgen, in denen die Positionen der einzelnen Interessensvertreter vorgestellt wurden, gab es eine rege Diskussion zu verschiedenen Konfliktthemen: Das Spannungsfeld der Kompetenzverteilung zwischen Jagd und Schädlingsbekämpfung, die Problematik der Beifänge geschützter Arten durch die Fangjagd und das mangelnde Bewusstsein in der Bevölkerung für die Gefahren invasiver Arten waren hier klar erkennbar. Eine weitere Vertiefung bestimmter Diskussionsinhalte und die Entwicklung eines Fragenkataloges werden die nächsten Schritte zu einem Impulspapier darstellen, mit dem das Projekt einen ? setzen will. Auch der jüngeren Gesellschaft soll das Thema Neozoen nahegebracht werden. Dafür wurde eine Workshop-Box mit Aufgaben und Anschauungsmaterial zum Thema Neozoen entworfen, die bald von Schülern verschiedener Regionen in Deutschland bearbeitet wird. Zudem ist ein informativer Kurzfilm zum Thema Neozoen entstanden.

Ein Mitschnitt der Veranstaltung kann über folgenden Link abgerufen werden.

Nutria und Bisam – eine Gefährdung für die Artenvielfalt?

Mit zunehmender Ausbreitung von Nutria und Bisam geraten auch die Schadwirkungen dieser Tiere in den Fokus. Beide Arten graben ihre Bauten an Uferböschungen und verspeisen vorzugsweise Sumpf- und Wasservegetation. Dazu gehören vor allem Röhrichtpflanzen wie Schilfrohr oder Rohrkolben.

Solche Röhrichtbestände bilden den Lebensraum zahlreicher Tierarten: Vögel wie die Rohrdommel oder der Teichrohrsänger brüten hier und Zugvögel suchen Rastplätze auf ihrer Durchreise. Verschiedene Fischarten laichen im Röhricht und Jungfische können Schutz vor Räubern finden. Außerdem sind zahlreiche Insekten, darunter viele Libellen, auf Röhrichtpflanzen angewiesen.

Durch ihre Grab- und Fraßaktivitäten können Nutria und Bisam Röhrichtbestände massiv schädigen und gefährden dadurch den Lebensraum zahlreicher geschützter Tierarten.

Fressende Nutria in der Schwimmblattzone am Dümmersee

Im Rahmen des MICA-Projekts werden die Auswirkungen von Nutria und Bisam auf die Artenvielfalt untersucht. Dafür werden in den Projektgebieten mehrmals jährlich Kartierungen von Sumpf- und Wasservegetation, Vogelbeständen und Libellen durchgeführt und mit Daten zum Vorkommen von Nutria und Bisam (Jagdstatistiken und Kamerafallenmonitoring) verglichen.

Aschauteiche (deutsches Projektgebiet Nr. 2)
Altarm der Vechte in der Grafschaft Bentheim (deutsches Projektgebiet Nr. 3)
Dümmersee (deutsches Projektgebiet Nr. 1)

Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung der Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und die Landwirtschaftskammer Niedersachsen haben im August und September die ersten Kartierungen der Sumpf- und Wasservegetation und Libellenarten in den deutschen Projektgebieten durchgeführt.

Vegetationskartierung am Dümmersee
Kartierung von Libellen an den Aschauteichen
Kartierung von Libellen an den Aschauteichen

Leichtere Probensammlung durch technische Innovation

Um DNA-Spuren des Bisam im Wasser nachzuweisen, werden viele Proben mit einem „automatischen Probensammler“ genommen. Jetzt wurde eine kompakte, benutzerfreundliche Version dieses Probensammlers entwickelt.

Der Probensammler ist ein Gerät von der Größe einer Frühstücksdose. Er benutzt GPS-Daten, um Positionen aufzuzeichnen und alle paar Meter eine Wasserprobe zu sammeln. Das Gerät kann in einem Boot, im Kanu, im Quad oder zu Fuß benutzt werden.

Verbesserung

Mirjam Boonstra, Projektleiterin an der Universität von Amsterdam, ist enthusiastisch: „Das technische Zentrum der Universität hat diese neue Version entwickelt. Wir sind sehr zurfrieden damit. Der Probensammler ist nun kleiner und leichter. Es ist eine große Verbesserung.“

Routen zur Probensammlung

In diesem Sommer werden Kartierungen der Probensammlungsrouten durchgeführt. Boonstra: „Wir erwarten die Ergebnisse dieser Studie im Herbst. Zu Ende des Jahres werden wir Neuigkeiten präsentieren.“

Kooperation

Die Kooperation mit den Wasserbehörden läuft gut. „Wir können die Bisamfänger nicht selber organisieren“, sagt Boonstra. „Dafür sind die regionalen Wasserbehörden zuständig. Mit den Verantwortlichen in den Behörden sprechen wir die Experimente ab. Es ist gut, ein Feedback darüber zu bekommen, was wir verbessern können.“

Neue Phase

Das Projekt über Umwelt-DNA ist nun in eine neue Phase mit viel Feldforschung getreten. Boonstra: „Es ist wichtig, zu überprüfen, ob das, was wir in der Pilotstudie getestet haben, auch in größerem Maßstab funktioniert. Das ist nun eine neue Phase. Gute Zusammenarbeit wird deshalb noch wichtiger.“

Feldprotokoll für eDNA

Im Forschungsprojekt eDNA wurde ein Feldprotokoll zur Bisamkontrolle erstellt. Dieses Protokoll besteht aus 5 Schritten.

  • Das Protokoll beginnt mit einer jährlichen Überwachung aller Wasserstraßen auf Strecken von 5 km (Schritt 1).
  • Für den Fall, dass eine Route positiv auf Bisam-eDNA getestet wird, wird eine genauere Lokalisierung durchgeführt, indem alle 1 km und alle 100 m Proben entnommen werden (Schritt 2).
  • Die eDNA-Ergebnisse von Schritt 2 ermöglichen eine genauere Aufstellung von Fallen (Schritt 3).
  • Nach einer (erfolgreichen) Fangperiode werden an jedem Fangort/Ort mit eDNA-Nachweis wiederholt Untersuchungen durchgeführt, um sicherzustellen, dass am Fangort keine Bisame mehr nachzuweisen sind (Schritt 4 und 5).

Kein Bisamnachweis mehr

Sollte in einem Gebiet eine Probe immer noch positiv getestet werden, werden die Schritte 3 bis 5 wiederholt, bis keine Bisam-eDNA mehr nachgewiesen wird. Das untersuchte Gebiet wird dann als frei von Bisam erklärt und während der regelmäßigen Routineüberwachung erneut getestet.

Meldung durch Bürger

Im Falle einer Beobachtung von Zivilisten wird der Kammerjäger den Ort auf das Vorhandensein von Bisam untersuchen. Wenn Spuren gefunden werden, wird das Feldprotokoll mit Schritt 2 begonnen.

Feldprotokoll herunterladen

Intelligente Lebendfallen für Nutria für Auszeichnung nominiert

Studenten der HAS Universität für angewandte Naturwissenschaften in Den Bosch (Niederlande), haben intelligente Lebendfallen für Nutria entwickelt und getestet. Das Projekt wurde für den Green Education Impact Preis nominiert.

Die intelligenten Lebendfallen sind mit einem Bewegungssensor, einer Batterie, einem Modem und einer Kamera ausgestattet. Das Kamerasystem ist mit einer Datenbank verknüpft, welche Fotos von verschiedenen Tieren enthält. Somit wird sichergestellt, dass die Falle nur schließt, wenn eine Nutria oder ein Bisam in die Falle geht. Der Fang geschützter Tierarten wie Fischotter und Biber ist damit ausgeschlossen.

Weiteres Testverfahren

Die Studenten haben die Fallen für zwei Wochen im Gebiet des Wasserverbands Rivierenland getestet. Es wurde festgestellt, dass man mindestens hundert Aufnahmen von einer Spezies braucht, damit die Kamera die Tierart erkennt. In diesem Jahr möchte die Wasserbehörde weitere Tests durchführen.

Preisverleihung

In diesem Projekt hat die HAS Universität unter anderem mit der Wasserbehörde Rivierenland und dem Verband niederländischer Wasserbehörden zusammengearbeitet und wurde für die Initiative für den Green Education Impact Preis nominiert. Der Preis wurde am 13. Februar an die Gewinner überreicht, aber leider nicht an dieses Projekt.

Warum fangen?

Nutria und Bisam kommen ursprünglich aus Süd- beziehungsweise Nordamerika. Sie wurden in die Niederlande eingeführt und haben dort keine natürlichen Fressfeinde. Nutria und Bisam graben Erdbauten an Ufern pflanzenreicher Gewässer oder in Dämmen und Deichen. Dadurch beschädigen sie Habitate seltener Tier- und Pflanzenarten, schädigen Infrastruktur von Wasserwegen und landwirtschaftliche Flächen. Sie stellen somit eine ökologische und ökonomische Gefahr sowie eine Bedrohung für den Hochwasserschutz dar. Die Wasserverbände der Niederlande haben ungefähr 400 Nutria- und Bisamfänger eingestellt, um diese Tiere zu bekämpfen und somit eine weitere Verbreitung zu verhindern.

In diesem Video sprechen die Studenten über ihr Projekt:

DNA Kartierung: Sammeln von Proben in den Projektgebieten

Eine der Methoden des Life MICA-Projekts ist die Darstellung von Migrationsrouten des Bisams mittels DNA-Kartierung.

In diesem Jahr werden die aktuellen Populationen von Friesland und einem Bereich 20 km um Friesland, einschließlich Nordholland Nord, analysiert. In jedem Atlasblock (25 km2) werden 3 Bisame gefangen: jeweils ein ausgewachsenes männliches und weibliches Tier und ein junges Exemplar. Aus diesen Bisamen wird ein genetisches Profil erstellt. Dieses Profil wird mit dem Profil der anderen Bisame (aus den anderen Atlasblöcken) verglichen. Ziel ist es, familiäre Beziehungen zwischen den gefangenen Tieren zu untersuchen.

Proben sammeln

In den Untersuchungsgebieten werden jetzt Proben gesammelt. Die Universität Wageningen wird die Proben dann ab Februar 2021 analysieren und auf Basis der Ergebnisse Migrationsrouten der Bisame darstellen.

Zeitplan

Ende 2021 werden die Ergebnisse der Studie bekannt gegeben und nachfolgend in den Jahren 2022 und 2023 intelligente Kamerafallen entlang der Migrationsrouten aufgestellt. Basierend auf den Beobachtungen dieser Kamerafallen werden schließlich Fallen platziert, um Bisame gezielt zu fangen.

Hier können Sie die Übersicht der gesammelten Proben bis April 2020 ansehen.

Update aus dem Vechtegebiet

Im April wurden im Vechtegebiet (Projektgebiet 3) die ersten Kamerafallen an Kanälen und Nebenarmen der Vechte aufgestellt.

An sieben Standorten fotografieren sie Tag und Nacht alle Tiere, die dort vorbeischwimmen oder -laufen. Dadurch wollen wir Nutria und Bisam im Projektgebiet aufspüren.

In den letzten Monaten wurden schon Hunderte von Bildern aufgenommen und gespeichert. Bisher erfolgt die Auswertung der Fotos manuell: die Tierarten werden identifiziert und klassifiziert. Mit den Aufnahmen von Nutria und Bisam wird im Laufe des Projekts eine Bilderkennungssoftware trainiert, die diese Tierarten automatisch erkennt und zukünftig die aufwendige manuelle Auswertung der Bilder ersetzen wird.

Hier möchten wir Ihnen eine Auswahl der schönsten Fotos und die Vielfalt der vorkommenden Arten präsentieren.

Schärfen Sie Ihren Blick, wie viele Tierarten können Sie erkennen?

Der internationale Auftakt von LIFE MICA

Nach mehr als einem Jahr Vorbereitung hat das internationale Auftaktstreffen des LIFE MICA Projekts am 30. und 31. Oktober 2019 in Tiel (Niederlande) stattgefunden. Wir erwarten eine gute Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Institutionen der Niederlande, Belgien und Deutschland.

Der Wasserverband Rivierenland war Gastgeber des internationalen Treffens, welches von Euroquality gefördert wurde.

Ziel des Projektes

Ziele dieses Projektes sind die Entwicklung und das Testen innovativer Methoden, Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung zwischen den internationalen Partnern sowie die Entwicklung eines Managementkonzeptes zur Eingrenzung der Weiterverbreitung von Nutria und Bisam.

Kennenlernen

Am ersten Tag lernten sich alle Kooperationspartner kennen. Der Wasserverband Rivierenland hat den Tag mit einer Präsentation des LIFE MICA Projekts begonnen und erläuterte dessen Ziele und Strategien. Die Partner konnten sich im Anschluss alle einzeln vorstellen und deren Beteiligung im Projekt erklären.

Inhalte des Projektes

Am zweiten Tag wurden die Inhalte des Projektes besprochen. Euroquality führte die finanziellen und kommunikativen Vorschriften mit Hilfe der Verordnung des Life Programms auf. Anschließend wurden die einzelnen Aktionen im Projekt besprochen und weitere Schritte formuliert.